November 2017: Anleitung, Polizisten den Helm abzureißen

Für die Berliner Harun Farocki-Retrospektive konnten etliche Arbeiten in den Fernsehsendern recherchiert und digitalisiert werden. Einige wenige Lücken blieben – etwa die beiden kurzen Spots ANLEITUNG, POLIZISTEN DEN HELM ABZUREISSEN und OHNE TITEL ODER: NIXON KOMMT NACH BERLIN, beide von 1969.

Farocki hielt die Filme für verschollen, überraschend sind sie jetzt, im November 2017 aufgetaucht: Thomas Giefer, dffb-Jahrgang 1967 und einer der 18 Relegierten von 1968, hat sie in seinen Beständen gefunden.

Hier ein Bild aus ANLEITUNG, POLIZISTEN DEN HELM ABZUREISSEN, abgefilmt vom Schneidetisch von Giefer:

Farocki über den Film: »Angeblich (Quelle: Fritz J. Raddatz) weinte Rosa Luxenburg, als sie die Darstellung des Wertbegriffs von Marx las. Ebenso enttäuscht war ich von den „Cine-Tracts“, die im Pariser Mai gemacht wurden und die in Berlin bald darauf zu sehen waren. Ich erwartete wohl eher etwas wie eine Fernsehberichterstattung, und ähnlich sind alle Versammlungen, die unsere Flugblattfilme in diesen Jahren gesehen haben, enttäuscht gewesen.

Weil wir keine ‚richtigen‘ Filme machten, so nannte das meine Mutter, kam es ihnen vor, daß ihre Sache nicht gebührend offizialisiert wurde, und das haben der ‚Arbeiterfilm‘ und auch Fassbinder dann geschafft. Wir drehten diesen Spot in einer der vielen Pausen, die es bei den Aufnahmen zu einem sehr wenig bedachten Film über Kinderläden von Susanne Beyeler gab. Auf einem Flachdach zog sich Wolfgang Gremm nackt aus und spielte den Polizisten. Wir setzten auf die antihumanistische Provokation, die es bedeutet, rein technisch darzustellen, wie man einen Polizisten bekämpft, gingen aber nicht so weit, einen androgynen Langhaarigen zum Darsteller zu nehmen, was Gremm, der der Dickste und Kurzhaarigste war, der gerade greifbar war, mit einem Lächeln aufgefaßt hat.«

30.11.2017, Archiv / Schaufenster
Schnittstelle

„Ein Bild wie von ERRO“. Eine Seite aus dem Drehbuch „Die Befreiung“ hier.

03.09.2017, Volker

„Selbstverständlich setze ich meine Arbeit unbezahlt ein.“ (HaF über „Zwischen zwei Kriegen“) Mehr hier.

01.07.2017, Volker
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