[Dreizehnte] Harun-Farocki-Residentin: Beatrice Zerbato
Die Ausschreibung für die Harun Farocki Residency 2026 fand im Frühjahr statt. Die Jury, bestehend aus Bianca Bozzeda (Kultur Ensemble Palermo), Clio Nicastro (HaFI) und Stefanie Schulte Strathaus (Arsenal Filminstitut) haben Beatrice Zerbato und ihr Projekt „Puzzle Therapy“ (Arbeitstitel) ausgewählt. Zerbato wird im Sommer für drei Monate in Berlin an der Weiterentwicklung ihres Projekts arbeiten.
Biografie
Nach ihrem Abschluss in Filmwissenschaft an der Universität Turin arbeitete Beatrice Zerbato als Fotografin, Archivarin und unabhängige Forscherin für verschiedene Institutionen und Projekte. Ihre Forschung untersucht Archive als aktive Instrumente, die nicht nur Geschichten bewahren, sondern auch neue Beziehungen und politische Vorstellungswelten schaffen können. Seit 2023 lebt sie in Palermo, wo sie gemeinsam mit der Gründerin Beatrice Gibson Nuovo Orfeo kuratiert, ein unabhängiges Projekt, das sich dem Kino und der experimentellen Musik widmet. Nuovo Orfeo versteht das Filmprogramm als Forschungsmethode und als Raum der Wissensproduktion außerhalb institutioneller Rahmen und konzentriert sich auf nicht-kommerzielle, vergessene, zensierte oder wenig bekannte Werke mit feministischer Ausrichtung.
Kurze Projektbeschreibung
“Puzzle Therapy” (Arbeitstitel) ist ein Forschungsprojekt, das sich dem experimentellen Kino der 1970er- bis 1990er-Jahre widmet, mit besonderem Augenmerk auf feministische Praktiken und Werke, die aus den vorherrschenden Narrativen ausgeschlossen wurden. Das Projekt entstand im Rahmen von Nuovo Orfeo, einem Programm für experimentelles Kino mit Sitz in Palermo, das 2021 von der Künstlerin und Regisseurin Beatrice Gibson gegründet wurde, und entwickelt sich durch Recherchen im Archiv des Arsenal Filminstituts in Berlin. Indem das Programm als Forschungsmethode und das Archiv als Ort der Begegnung und der Erschließung neuer Wege genutzt wird, gipfelt das Projekt in einer Reihe öffentlicher Programme und Vorführungen, begleitet von einer Publikation, die künstlerische Praktiken und kuratorische Ansätze zum bewegten Bild untersucht und den Dialog zwischen unabhängigen Programminitiativen, institutionellen Kontexten und Archivstrukturen erweitert. Der vorläufige Titel „Puzzle Therapy“ ist dem gleichnamigen Kurzfilm von Annabella Miscuglio aus dem Jahr 1976 entlehnt, der als Ausgangspunkt dient und einen kuratorischen Rahmen sowie einen ersten filmischen Bezugspunkt zur Orientierung des Projekts bietet. Indem er eine nichtlineare, fragmentarische und auf Assemblage basierende Methode zur Darstellung und zum Verständnis der Realität heraufbeschwört, soll der Titel den Forschungsprozess selbst widerspiegeln.
Die Harun Farocki Residency ist eine Kooperation zwischen Kultur Ensemble Palermo (Goethe-Institut Palermo und Institut français Palermo), Arsenal Filminstitut und Harun Farocki Institut.