Mai 2019: Werner Dütsch: Film in Deutschland

Die erste Seite eines zehnseitigen Konzepts, gefunden in Harun Farockis Korrespondenz.

Schon ein knappes Jahr früher, im Juni 1981, hatte Dütsch auf elf Seiten formuliert, wie er sich eine Sendereihe „Film in Deutschland 1895 – 1981“ (soll heißen: Westdeutschland) mit fünf bis sieben Sendungen vorstellen könnte. Der programmatische Einsatz dort: „‚Deutsche Filmgeschichte‘ kommt im Titel ausdrücklich nicht vor, soll es doch gerade darum gehen, die weißen Flecken auszumachen, die die Filmgeschichtsschreibung hinterlassen hat.“

In drei Skizzen werden konkrete Sendungen entworfen:

– „Ernst Lubitsch in Deutschland“
– „Deutschland 1945–1948: im Kino gesehen und gehört“
– „Der Fall Selpin und der Film in der Nazizeit“

„Diese drei Skizzen für mögliche Sendungen sollen vor allem klarmachen, daß es nicht um eine einheitliche Sendereihe geht, vielmehr wechselnde Methoden sich wechselnden Gegenständen widmen: Analyse und Dokumentation, Essay und Interview. Es ist auch nicht an einen Autor oder ein Autoren-Kollektiv gedacht: es sollen einzelne Sendungen von sehr verschiedenen Autoren werden.“

Im Konzept vom Mai 1982 sind aus den allgemeinen Überlegungen konkrete Sendungstitel geworden:

– „Der Fall Selpin“, als Autor vorgesehen ist Nathan Jariv, die Sendung ist am 19. Juni 1983 ausgestrahlt worden.
– „Cecil B. DeMille trifft Konrad Adenauer“ – als Autor vorgesehen: Manfred Blank, wohl nicht realisiert
– „Peter Lorre – Das endlose Exil“ – als Autor vorgesehen: Wolf-Eckart Bühler, realisiert von Felix Hofmann und Harun Farocki, ausgestrahlt am 5. September 1984
– „Kino in Deutschland vor 1914“ – ohne designierten Autor
– „Ernst Lubitsch in Deutschland“ – ohne designierten Autor, mit einiger Verzögerung realisiert von Frieda Grafe, Martin Koerber und Enno Patalas anlässlich des 100. Geburtstags von Lubitsch 1992
– „Deutschlandbilder“ – ohne designierten Autor, realisiert von Hartmut Bitomsky und Heiner Mühlenbrock, ausgestrahlt am 26. Oktober 1983
– „Das Mittelstandskino 1962–1982 – ohne designierten Autor
– „Kracauer“ – ohne designierten Autor

Zitat aus dem Entwurf der letztgenannten Sendung: „Kracauer: das ist der noch keineswegs verdaute Brocken, der unübersehbar in der Landschaft deutscher Filmtheorie aufragt: niedergemacht oder fanatisch verteidigt.“

Am 30 Mai 2019 wäre Werner Dütsch 80 Jahre alt geworden. Das nächste Heft des Harun Farocki Instituts ist ihm gewidmet, es wird im Juni erscheinen.

26.05.2019, Archiv / Schaufenster
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