Schriften 1: Harun Farocki: Zehn, zwanzig, dreißig, vierzig

„Mit Nicht löschbares Feuer hatte ich mir also einen Namen gemacht, hatte aber die größten Gewissensbisse, ob das überhaupt statthaft war. Groß war der gemachte Name nicht. Ich bekam dessentwegen kaum je ein Angebot. Gelegentlich, etwa wenn ich mich beim Fernsehen, sagen wir: bei der Redaktion ‚Sesamstraße‘, bewarb, hatte der Redakteur schon einmal von mir und dem Film gehört. Aber bei dieser Redaktion bekamen auch weniger Namhafte, etwa Filmstudenten, Aufträge.

Für Nicht löschbares Feuer hatte ich zwei Einstellungen auf dem Flughafen Tempelhof zu drehen gehabt, wofür eine Gebühr in Höhe von 30 DM pro Stunde vereinbart war. Unser Team fuhr zum Schauplatz, richtete die Einstellungen ein und erst dann meldete ich mich im Büro. So musste ich nur eine Stunde bezahlen statt zwei. Die Freude darüber war wahrscheinlich die größte, die ich während der Dreharbeiten empfand. Ich hatte geglaubt, wenn man etwas von einiger Bedeutung tue, müsse man das beim Tun empfinden. Es hatte sich nachträglich herausgestellt, dass man meinem Film einige Bedeutung zuschrieb, aber von dieser Bedeutung war während unserer Produktion nichts zu spüren gewesen. Die gesamte Produktion war mir wie eine einzige Stümperei vorgekommen. Jetzt, fünf Jahre später, war zudem offensichtlich, dass ich mit diesem Film ein Versprechen gegeben hatte, das ich seither mit keiner weiteren Produktion hatte halten können.“ (Auszug aus dem Kapitel „Dreißig“, S. 144)

Jetzt erschienen:

Harun Farocki: Zehn, zwanzig, dreißig, vierzig. Fragment einer Autobiographie, hg. von Marius Babias und Antje Ehmann, Köln: Walther König 2017 [= Harun Farocki: Schriften. Band 1] (link)

Die ersten vier Bände der Schritenausgabe erscheinen im Rahmen der Harun Farocki Retrospektive des n.b.k.anach wird das Projekt in Verantwortung des Harun Farocki Instituts fortgeführt.

18.09.2017, Projekte / Publikation
Schnittstelle

Brought to our attention by Derek Gregory via his resourceful Geographical Imaginations blog: an open call for contributions to the „Corona Notebooks“ of Warscapes, a recommended independent online magazine „that provides a lens into current conflicts across the world.“ Warscapes is looking for short, 2-3 minute videos „of yourself thinking about this pandemic, maybe accessing a previous memory, maybe reporting on an injustice, maybe narrating a sweet fragment from your daily life, maybe recounting a second chance that this pandemic gave you, maybe telling us about a loved one you reconnected with, maybe you’ve seen a movie or read a book that was powerful, maybe telling us about having the illness. The tone, the tale, the genre and the language is yours to choose. There is an overwhelming amount of news and information but we will together weave an emotionally vibrant and artistic tapestry.“

 

03.04.2020, Tom

Almost too good to be true in these times of pandemically enforced streaming: Means TV claims to be „the world’s first worker-owned, post-capitalist streaming service,“ „entirely funded by people like you.“ It has „a library of films, documentaries, and shows with new programming added all the time,“ as well „live weekly shows covering news, the working class, gaming and sports. All available to subscribers for $10/month across desktop, mobile and smart TV devices like Roku, Fire and Apple TV. No advertisements or product placements. No corporate backers or VC cash ever.“ See also the respective article at Hyperallergic.

 

01.04.2020, Tom

After all the buzz and clamor caused by the 2019 re-opening of the extended MoMA and the much celebrated rehang of its permanent collection, N+1 publishes a sobering curatorial fantasy (by Claire Bishop and Nikki Columbus) on what should have been done instead to come to terms with the „outrageous disconnect between saying and doing at this museum—the brazen hypocrisy and superficial multiculturalism.“

08.01.2020, HaFI
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