Veranstaltung: Peter Weiss und Harun Farocki, 24. Oktober 2016, silent green

Wir waren Vereinzelte und gleichzeitig von einer Totalität umfangen*
* Peter Weiss, Die Ästhetik des Widerstands. Erster Band, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1975, S. 137

silent green Kulturquartier
Gerichtstraße 35
13347 Berlin

15:30 bis 17 Uhr
„aus einem ort, an dem man sonst achtlos vorbeigeht, einen wichtigen ort machen“**
Stadführung zu realen und imaginären Orten und Plätzen der Ästhetik des Widerstands im Roten Wedding von und mit Julia Lazarus/Undisciplinary Learning
Treffpunkt: Nettelbeckplatz, „Tanz auf dem Vulkan“-Brunnen
Anmeldungen erbeten unter: info@harun-farocki-institut.org

Die weitere Weddinger Umgebung des silent green Kulturquartier, wo sich auch das Harun Farocki Institut befindet, spielt eine nicht unwesentliche Rolle als Schauplatz in Peter Weiss’ Roman Die Ästhetik des Widerstands. Nicht nur bewegen sich die Protagonisten des ersten Bandes der Trilogie in Berlin zwischen Oranienburger Vorstadt und dem Wedding, für Weiss ist Barrikaden am Wedding, Klaus Neukrantz’ „kleines Kampfbuch“ über den so genannten Blutmai von 1929 (erschienen 1931), eine Art komplementärer Entwurf zu Kafkas Schloß: „Das Forschen und der Abwehrkampf waren zwei Seiten ein und desselben Stellungnehmens.“ Die Führung von Julia Lazarus wird auf diese und andere Aspekte der Topographie der Ästhetik des Widerstands eingehen.

Julia Lazarus ist Kuratorin, Künstlerin und Filmemacherin aus Berlin. Seit 2012 setzt sie sich mit den Roman Die Ästhetik des Widerstands von Peter Weiss auseinander. Bei District Berlin ist aktuell die Ausstellung Undisciplinary Learning. Remapping. The Aesthetics of Resistance, die sie gemeinsam mit Suza Husse und Janine Halka kuratiert hat, noch bis 19.11.2016 zu sehen. Mit Moira Zoitl und Naomi Hennig initiierte sie 2013/4 die Ausstellung Die Ästhetik des Widerstands in der Galerie im Turm (Berlin) und in der IG Bildenden Kunst Wien.

** Harun Farocki, Konzeptpapier zu Zur Ansicht: Peter Weiss (1979), erstmals veröffentlicht in: Harun Farocki: Zur Ansicht: Peter Weiss, HaFI 003, hg. vom Harun Farocki Institut, 2016

19:30 bis 21:30 Uhr
Harun Farocki und Gunilla Palmstierna-Weiss über Peter Weiss und Die Ästhetik des Widerstands
Videointerviews mit Carles Guerra von 2011 (Screening)
Anschließend: Gespräch mit Carles Guerra und Bert Rebhandl (auf Englisch)
Kuppelhalle, silent green Kulturquartier

Im Zusammenhang der Recherchen zu seiner Ausstellung 1979, a Monument to Radical Moments im Virreina Centre de la Imatge in Barcelona führte der Kurator und Künstler Carles Guerra 2011 Gespräche mit Harun Farocki und der Szenografin und Künstlerin Gunilla Palmstierna-Weiss, die auf Video mitgeschnitten wurden. Guerra hatte seine Ausstellung, die sich mit dem Jahr 1979 aus verschiedenen Perspektiven einer politischen Ästhetik beschäftigte, maßgeblich um Motive der „Ästhetik des Widerstands“ herum organisiert, und insbesondere die Frage nach einer dokumentarischen Bildpraxis unter Bedingungen von Biopolitik und Neoliberalismus gestellt. Über Peter Weiss und das Problem der historischen Erinnerung an Akte und Gesten politischer wie ästhetischer Radikalität kamen Farocki und Guerra in einen intensiven Dialog, der auch nach Farockis Tod anhält. Gemeinsam mit Antje Ehmann hat Guerra 2015 und 2016 Ausstellungen zu Farocki in Valencia und Barcelona kuratiert, denen 2017 – im Rahmen der geplanten Harun Farocki Retrospektive in Berlin – eine weitere im Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.olgen wird.

Carles Guerra (Amposta, 1965) ist Kurator, Kritiker, visueller Produzent und Wissenschaftler. Sein Interesse gilt insbesondere den Beziehungen zwischen künstlerischer Praxis und kulturellen Politiken des Postfordismus. Guerra war Direktor des Virreina Centre de la Imatge und Chefkurator am Museu d’Art Contemporani de Barcelona (MACBA), bevor er 2015 zum Direktor der Fundació Antoni Tàpies in Barcelona berufen wurde. Zuletzt hat er (mit Antje Ehmann) die Ausstellung Harun Farocki. Empathy an der Fundació Antoni Tàpies kuratiert.

Bert Rebhandl (Kirchdorf an der Krems, 1964) ist freier Filmjournalist u.a. für Frankfurter Allgemeine Zeitung, Der Standard, Frieze, Zitty, Buchautor (u.a. Orson Welles. Genie im Labyrinth, 2005) und Mitbegründer und -herausgeber der Zeitschrift Cargo. Film/Medien/Kultur.

12.10.2016, Projekte / Veranstaltung
Schnittstelle

Paul B. Preciado on Indigenous models for „stopping the world,“ via Artforum: „Every culture has invented procedures for isolation, for fasting, for breaking the rhythms of eating, sexual activity, and production. Those caesuras serve as techniques for modifying subjectivity, activating a process that disrupts perception and feeling and can ultimately generate a transformation, a new way of becoming. Certain languages of Indigenous shamanism call this process ’stopping the world.‘ And that is literally what happened during the Covid-19 crisis. The capitalist mode briefly stopped. […] we could say (drawing on the Brazilian anthropologist Eduardo Viveiros de Castro’s analysis of Tupi rituals and shamanic practices) that they usually include at least three stages. In the first, the subject is confronted with their mortality; in the second, they see their position in the trophic chain and perceive the energetic connections that unite all living things; in the final stage, they radically modify their desire, which will perhaps allow them to transform, to become someone else.“

26.07.2020, Tom

Anlässlich des Filmfestivals „Reconstructing Realities“ zeigt die Broadway Cinematheque in Hongkong den Film „How to live in FRG“ (1990) von Harun Farocki. Die Vorführung findet am Samstag, 11. Juli, 14.30 Uhr (Ortszeit) im Goethe-Institut Hongkong statt.
Online-Broschüre: https://bit.ly/bcXForum50

Reconstructing Realities – A Film Programme to Celebrate the 50th Anniversary of the Berlinale Forum

Im Anschluss findet das online Gespräch „Harun Farocki’s Imitations of Life“ mit Doreen Mende vom Harun Farocki Institut um 16 Uhr (Hong Kong)/10 Uhr (Berlin) über Zoom statt.
Sprache: English

Anbei der Link zur Anmeldung: https://docs.google.com/forms/d/e/1FAIpQLScWmyq_RYeP9O4bx0_hNOmLglPXIaczE-p1OiPjnzdatkybmw/viewform

Das Zoom Login-Link und das Passwort werden nach der Anmeldung über Email geschickt. Begrenzte Plätze!

https://www.goethe.de/ins/cn/de/sta/hon/ver.cfm?fuseaction=events.detail&event_id=21884136&

08.07.2020, HaFI

Avery F. Gordon, in an interview conducted by Katherine Hite and Daniela Jara in Memory Studies:  „Non-participation is one modality of what I call being in-difference. Being in-difference is a political consciousness and a sensuous knowledge, a standpoint and a mindset for living on better terms than we’re offered, for living as if you had the necessity and the freedom to do so, for living in the acknowledgement that, despite the overwhelming power of all the systems of domination which are trying to kill us, they never quite become us. They are, as Cedric J Robinson used to say, only one condition of our existence or being. Running away, living apart, squatting, communing, feral trading, bartering, self-managed currencies, human, debt, labour, knowledge strikes, boycott, divestment, non-policing, throwing your shoe at an occupying president: the ways of non-participation in the given order of things are many, varied and hard to summarize. And they are taken up for a variety of reasons, including the failure or irrelevance of states and the US–European post–World War II social movement model.“

07.07.2020, Tom
mehrweniger Kurznews