Ein Tag im Leben der Endverbraucher (2020)

Microsoft Sam, ein Video-Essayist und Kompilator, der einen YouTube-Kanal mit 2190 Abonnenten betreibt, bietet ein passendes Update bzw. die Corona-Version von Harun Farockis Ein Tag im Leben der Endverbraucher (1993). Die in dem 3:41-minütigen Video (online gestellt am 15. April) verwendeten Ausschnitte verdanken sich einer Recherche nach US-amerikanischen Imagevideos der Automobilindustrie, Telekommunikationsbranche, Kurierdienstleister usw. der ersten Aprilhälfte. Die Exzerpte sind um visuelle Tropen (Fahrt durch die Landschaft, Bilder des „zuhause“ usw.) und Begriffe wie „Menschen“, „Familie“, „Zuhause“, „heute mehr denn je“, „in diesen Zeiten der Ungewissheit“, „in beispiellosen Zeiten“, „zusammen“ usw. organisiert. Aufbereitet zu einer schwindelerregenden Rhythmusanalyse des „Augenblicks“, entsteht hier vor allem der Eindruck einer verblüffenden Gleichheit in der Reaktion der Unternehmen und ihrer Werbeagenturen auf die Krise. Wie Microsoft Sam zu Recht bemerkt: „Die Videos der Konzerne in Reaktion auf Covid-19 gleichen sich auf unheimliche Weise. […] In Wirklichkeit sind viele Unternehmen fast über Nacht in Finanznot geraten. Sie mussten eine Botschaft aussenden – und zwar schnell. Sie beauftragten ihre Teams, etwas zusammenzuwerfen. Da ein neuer Werbeclip wegen sozialer Distanzierung nicht gefilmt werden konnte, stellten die Unternehmen altes Stock-B-Roll-Material zusammen und nahmen die harmloseste lizenzfreie Klaviermusik, die sie finden konnten. Dies, kombiniert mit einem Jahrzehnt von Marketing-Trends, die von Fokusgruppen und design by committee diktiert wurden, führte zu einem Tsunami von abgeleiteten, klischeehaften Anzeigen, die alle innerhalb einer Woche veröffentlicht wurden. Das ist keine Verschwörung – aber vielleicht ein Zeichen dafür, dass es Zeit für etwas Neues ist“. TH/VP

 

 

27.04.2020 — Rosa Mercedes / 02